Effekte und Effektivität stationärer tiefenpsychologisch orientierter Psychotherapie bei depressiven Störungen (STOP-D)


Depressive Störungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in der erwachsenen Allgemeinbevölkerung.

Die Punktprävalenz für alle depressiven Störungen liegt über 10%, die Lebenszeitprävalenz bei 7% bis 18%. Depressive Erkrankungen führen in hohem Maß zu Arbeitsunfähigkeit, vorzeitiger Berentung und Inanspruchnahme nicht notwendiger und nicht hilfreicher medizinischer Leistungen. Zur Behandlung werden in Deutschland kassenfinanziert ambulante psychotherapeutische Verfahren aber auch stationäre Psychotherapie eingesetzt. Zahlreiche neuere Untersuchungen konnten zeigen, dass nicht nur die voll ausgeprägten kategorialen Diagnosen (ICD, DSM) entsprechenden klinischen Bilder, sondern auch die unterhalb dieser diagnostischen Schwellen angesiedelten subdepressiven Störungen zu versorgungsrelevanten klinischen Beeinträchtigungen führen.

Ein genereller Wirksamkeitsnachweis stationärer tiefenpsychologisch orientierter Psychotherapie bei depressiven Störungen ist erbracht. Unbekannt ist jedoch, wie und welche der in diesem Bereich eingesetzten unterschiedlichen Therapieverfahren (Einzeltherapie, Gruppenverfahren, nonverbale Therapieverfahren etc.) zu diesem Erfolg beitragen. Die differentiellen Effekte der unterschiedlichen Therapieverfahren auf (sub-)depressiv beeinträchtigte Patienten sollen deshalb in einer prospektiven, multizentrischen Verlaufs- und Katamnesestudie evaluiert werden.

Neben Maßen der klinischen Beeinträchtigung wird daher mittels eines Therapietagebuchs auch die Dosis der eingesetzten Verfahren für jeden Patienten erhoben. Nach intensiven Vorbereitungen hat sich ein Netzwerk von 30 tiefenpsychologisch orientierte Kliniken zu einem solchen Forschungsvorhaben zusammen geschlossen.

Die zentrale Hypothese ist, dass die verschiedenen Verfahren der stationären Psychotherapie bei (sub-)depressiv erkrankten Patienten auch unterschiedlich starke therapeutische Effekte bewirken - eine Annahme, die, so plausibel sie erscheint, bisher nicht wissenschaftlich untersucht wurde. Der Gewinn, der aus einer derartigen Studie gezogen werden kann, besteht in einer besseren, evidenzbasierten Nutzung und Anpassung vorhandener Versorgungsangebote an die Bedürfnisse des einzelnen Patienten und in einer Objektivierung der positiven Effekte stationärer tiefenpsychologisch orientierter Psychotherapie.

Die zur Durchführung notwendige Fallzahl beträgt ca. 1.300 Patienten, die Rekrutierungsphase umfasst 18 Monate. Die Planung und Realisierung der Studie erfolgt durch zwei wissenschaftliche Institute der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Studienzentrale): 1. Klinisches Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (Prof. Franz, Dr. Hartkamp) sowie 2. Koordinierungszentrum für Klinische Studien am Universitätsklinikum Düsseldorf (Prof. Ohmann).

Kontakt Prof. Dr. M. Franz
Klinisches Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Heinrich-Heine-Universität
Postfach 10 10 07 - D-40001 Düsseldorf
Tel/mail
0211/81-18338, E-Mail: